UNESCO-Welterbe Danewerk: Hochauflösendes digitales Geländemodell für Forschung und Monitoring
Ursprünglich vom Stamm der Danen zur Sicherung der Südgrenze errichtet, liegt das Danewerk als größtes archäologisches Bodendenkmal Nordeuropas heute im Herzen Schleswig-Holsteins. Der monumentale Verteidigungskomplex erstreckt sich über rund 30 Kilometer und reicht – mitsamt Seesperrwerk und Kograben – von Hollingstedt über die bedeutende Wikingerstadt Haithabu bis nach Eckernförde, wo sich der Osterwall befindet.
Die Geschichte des Danewerks ist außergewöhnlich vielschichtig: Sie reicht vom frühen Mittelalter über mehrere Ausbauphasen bis hin zur Wiedernutzung im 17. und 19. Jahrhundert sowie zuletzt im Zweiten Weltkrieg. Die ältesten Bauteile sind bislang nicht eindeutig datiert, sicher belegt ist jedoch ein erster großer Ausbau um 700 n. Chr..
Neben den bis heute sichtbaren Wallanlagen errichteten die Wikinger sogar ein Seesperrwerk in der Schlei in Blockbauweise. Dieses zwang potenzielle Angreifer, vorgegebene Routen zu nutzen, und verschaffte den Verteidigern einen strategischen Vorteil. Durch das Zusammenspiel aus Wallanlagen, Gewässern und Moorgebieten konnte so nicht nur der Raum zwischen Schlei, Eckernförde und Hollingstedt, sondern die gesamte Landenge zwischen Nord- und Ostsee gesichert werden. Rund 80 % der einst ausgebauten Strecke sind bis heute erhalten.
UNESCO-Welterbe und neue Anforderungen
Seit 2018 ist das Danewerk gemeinsam mit Haithabu als UNESCO-Welterbestätte „Archäologischer Grenzkomplex Haithabu und Danewerk“ anerkannt. Mit diesem Status gehen erhöhte Anforderungen an Schutz, Monitoring, Forschung und Pflege einher. Die Befestigungsanlagen werden daher zunehmend mit modernsten Methoden dokumentiert und erforscht, um neue Erkenntnisse zur Nutzung und Entwicklung des Bauwerks zu gewinnen und diese einer breiten Fachöffentlichkeit zugänglich zu machen.
Hochauflösendes digitales Geländemodell auf Lidar-Basis
Zur Verbesserung der Kenntnisse über die Topographie der einzelnen Abschnitte beauftragte das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein geoGLIS im November 2021 mit der Erstellung eines aktuellen, hochgenauen und hochaufgelösten digitalen Geländemodells (DGM).
Grundlage hierfür bildeten 3D-Punktwolken aus einer luftgestützten Laserabtastung (Light Detection and Ranging, Lidar bzw. Airborne Laser Scanning, ALS), die im Dezember 2020 für den gesamten Komplex erhoben wurden. Durch die positions-, winkel- und laufzeitabhängige Auswertung der Laserechos bei sehr hohen Abtastraten entsteht ein detailliertes Abbild der Topographie in Form einer Punktwolke.
Da diese Punktwolke zunächst sämtliche erfassten Oberflächen – von Vegetation über Gebäude bis hin zum Boden – enthält, ist für die Ableitung eines Geländemodells eine präzise Klassifizierung und Extraktion der Bodenpunkte erforderlich.
Full-Waveform-Lidar und präzise Klassifizierung
Moderne Lidar-Systeme, wie sie bei der Befliegung des Danewerks eingesetzt wurden, ermöglichen dank Full-Waveform-Technologie die Auswertung von Mehrfachechos. In bewachsenen Bereichen entsprechen die zuerst registrierten Echos beispielsweise Blättern und Astwerk, während das Bodenniveau anhand der jeweils letzten Echos beschrieben werden kann.
Durch diese Methode sowie ergänzende Klassifizierungen – etwa zur Filterung von Gebäuden anhand von Intensität und Struktur – konnte die Punktwolke gezielt auf das Bodenlevel reduziert werden.
Ergebnis: DGM mit 15 × 15 cm Auflösung
Aus ursprünglich rund 450 Millionen 3D-Punkten wurden etwa 195 Millionen Geländepunkte identifiziert. Für den Gesamtbereich von rund 5,4 km² ließ sich daraus ein digitales Geländemodell mit einer räumlichen Auflösung von 15 × 15 cm ableiten.
Ergänzt durch abgeleitete Produkte wie Schummerungen und Höhenschichten stellte geoGLIS die Daten dem Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein zur Verfügung – inklusive eines vorkonfigurierten Web Map Service (WMS). Damit steht eine leistungsfähige Grundlage für Forschung, Monitoring und Vermittlung des UNESCO-Welterbes zur Verfügung.
Auftraggeber:
Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein
UNESCO Welterbe Haithabu-Danewerk
Bildnachweis:
Originale Datengrundlage: Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein © – angepasst durch geoGLIS